Modus (2015)

1993 erschien mit Mörder ohne Gesicht Henning Mankells erster Wallander-Roman auf Deutsch. Ausgehend vom immensen Erfolg der Reihe um den im südschwedischen Ystad ermittelnden Kriminalkommissar etablierte sich in den darauf folgenden Jahren in Deutschland der Begriff des „Schwedenkrimis“.  Im Fahrwasser Mankells wurden zahlreiche weitere skandinavische Autoren ins Deutsche übersetzt – Hauptsache, die Geschichten handelten von möglichst düsteren Morden. Eine der ersten, die von der Entwicklung profitierte, war Anne Holt. Holt ist zwar Norwegerin, aber über so diffizile Unterschiede wie Norwegen, Schweden oder Island haben die Leser schon vor mehr als 20 Jahren wohlwollend hinweggesehen. Mit Blinde Göttin kam 1995 Holts erster Hanne-Wilhelmsen-Roman auf den deutschsprachigen Buchmarkt. Insgesamt neun Fälle sollte die Osloer Polizistin bis 2015 lösen. Autorin Anne Holt hat sich nicht zuletzt auch durch ihr Amt als norwegische Justizministerin den Ruf erarbeitet, realitätsnah und authentisch zu erzählen, wenngleich sie dieses Amt lediglich etwas mehr als drei Monate innehatte. Zudem lebt ihre Hauptfigur Wilhelmsen in einer eingetragenen Partnerschaft mit einer Frau zusammen, was Holts persönlichen Lebensverhältnissen entspricht.

DVD-Cover Modus Staffel 1
© Edel:Motion

Mit der Psychologin und Profilerin Inger Johanne Vik hat Anne Holt seit 2001 eine zweite weibliche Hauptfigur entwickelt, die an der Seite des Polizisten Yngvar Stubø in einer eigenen, fünf Bücher umfassenden Reihe ermittelt. Während einige der Wilhelmsen-Romane bereits fürs Kino und Fernsehen verfilmt wurden, ist nun auch erstmals ein Fall des Duos Vik/Stubø adaptiert worden. Diesmal nicht als einzelner Film, sondern gleich als ganze Serie. – Denn wo in den 90er Jahren das Label „Schwedenkrimi“ als Verkaufsgarant diente, ist es mittlerweile die Bezeichnung „Nordic Noir“, die Krimiserien aus Skandinavien auch im Ausland zu großer Beliebtheit verhelfen, angefangen beim Klassiker und nach wie vor sehenswerten Kommissar Beck über die – vor allem in der ersten Staffel – brillant geschriebene Kommissarin Lund und die weithin überschätzte Die Brücke bis zu Durchschnittsware wie Protectors oder Anna Pihl.

Modus gehört eher in die Gruppe der durchschnittlichen Serien. Basierend auf Gotteszahl, dem vierten Vik/Stubø-Roman, wurden einige Änderungen gegenüber der Buchvorlage vorgenommen. So lernen sich die Ermittler hier erst kennen, während sie in Anne Holts Vorlage bereits verheiratet sind. Zudem wurde die gesamte Handlung vom norwegischen Bergen und Oslo ins schwedische Uppsala und Stockholm verlegt – schließlich ist Modus eine schwedische Produktion. Das Problem der Serie sind jedoch weniger die Abänderungen gegenüber des Buchs, sondern vielmehr die grundlegende Treue zur Vorlage. Es geht um eine Mordserie, deren Opfer alle mehr oder weniger offen lesbisch bzw. schwul waren. Viks autistische Tochter hat den Mörder gesehen und gerät damit selbst in Gefahr. So weit der Kern der Kriminalgeschichte. Hiervon ausgehend werden in mehreren Nebenarmen der Handlung die privaten Hintergründe der Opfer und ihrer Angehörigen beleuchtet. Was im Roman jedoch noch stimmig aus- und zusammengeführt werden kann, trägt die Serie nicht über eine Länge von acht Folgen. Zu viele Nebenhandlungen werden angestoßen, aber nicht zu Ende erzählt. Bestes Beispiel hierfür ist die Lebensgefährtin des ersten Mordopfers Isabella, die sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Freundin macht: Ulrika ist eine interessante Figur, über sie erfährt man viel über die Beziehung zu ihrer Partnerin und die Spannungen zwischen dem Paar und Isabellas Eltern, die sich schwer damit tun, die lesbische Beziehung ihrer Tochter zu akzeptieren und Ulrika die Schuld an der Entfremdung geben. Nachdem jedoch Isabellas Leiche aufgefunden wird, bricht dieser Erzählstrang nach vier Folgen gänzlich ab und wird nicht wieder aufgenommen.

Diesen unbefriedigend aufgelösten Handlungsarmen zum Trotz bedient Modus all jene Erwartungen, die Zuschauer an eine skandinavische Krimiserie haben: Die düstere Mordserie, die winterliche schwedische Landschaft, zudem persönlich involvierte Ermittler, die von den vorgegebenen Anweisungen abweichen und eigene Wege gehen. Doch wenngleich ein Mord auf den anderen folgt, entspinnt sich die Handlung zäher als etwa in Kommissarin Lund oder Die Brücke, ist die Dramaturgie weniger stringent und durchdacht.

Modus ist eine internationale Koproduktion u.a. mit dem ZDF und lief dort auf dem sonntäglichen Krimi-Sendeplatz um 22 Uhr. Die ursprünglich acht Folgen zu je rund 45 Minuten wurden vom Sender wie üblich zu vier 90-Minütern zusammengefügt. In dieser Form ist die Serie nun auf DVD und Blu-Ray erschienen. Neben dem deutschen Synchronton ist auch die schwedische Originalfassung enthalten, allerdings ohne deutsche Untertitel. Auf der letzten von vier Discs gibt es als Bonus einige kurze Promo-Statements der Darsteller sowie Vorschau-Clips auf andere skandinavische Serienveröffentlichungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.