Off-Topic: Jugendmedienschutz in Polen

Der Jugendmedienschutz in Polen befindet sich im Umbruch. Nach dem Beitritt zur EU 2004 wurde vom Nationalen Rundfunkrat KRRiT ein neues Zeichensystem eingeführt, das den Fernsehzuschauern auf den ersten Blick anzeigt, für welche Altersgruppe eine Sendung geeignet ist. Doch nach dem Regierungswechsel 2015 hat die nationalkonservative PiS-Partei Änderungen durchgesetzt, die die Position des KRRiT schwächen.

Der 25. Oktober 2015 markierte für Polen ein einschneidenderes Ereignis, als es sich die meisten damals hatten vorstellen können. Der Tag der Wahl und der Regierungswechsel von der liberalen Bürgerplattform PO zur nationalkonservativen PiS (Prawo Sprawiedliwość – Recht und Gerechtigkeit) um den allgegenwärtigen Jarosław Kaczyński zogen eine Fülle an Entscheidungen und Gesetzen nach sich, die in ihrer Summe erhebliche Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit Polens aufkommen ließen. Diese Folgen haben sich auch in der Medienlandschaft bemerkbar gemacht.
Wer heute, knapp zwei Jahre nach dem Regierungswechsel, einen Blick in die polnischen Nachrichtensendungen wirft, wird eine bemerkenswerte Schwarz-Weiß-Zeichnung feststellen: Schenkt man dem Staatssender TVP Glauben, befindet sich das Land in einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Maßnahmen von PiS, Kaczyński und Ministerpräsidentin Beata Szydło würden greifen, alles wende sich zum Besseren und allein ausländische Kräfte – wahlweise die Europäische Union, konkret deren Ratspräsident Donald Tusk (den Jarosław Kaczyński als seinen Intimfeind betrachtet), oder gerne auch Deutschland versuchten, die neue polnische Blüte im Keim zu ersticken.
Wechselt man hingegen auf der Fernbedienung zum privaten Nachrichtensender TVN, erlangt man einen gänzlich konträren Eindruck: Es gehe bergab mit Polen, das Land befinde sich auf direktem Weg in die Isolation und werde in seiner wirtschaftlichen Entwicklung um Jahre zurückgeworfen, alles aufgrund der Ignoranz und Unfähigkeit der PiS-Partei und deren Führung.

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