Off-Topic: Erinnerungen an King

Off-Topic: Erinnerungen an King

Für jemanden, der in den 1980er und 90er Jahren aufgewachsen ist, war es kaum möglich, nicht mit Stephen Kings Büchern und deren Verfilmungen in Berührung zu kommen. King war der prägende Horror-Autor dieser Jahre, für mich ist er aber immer auch ein Stück Kindheitserinnerung. Wenn ich etwa an Friedhof der Kuscheltiere denke, denke ich vor allem an den Sommerurlaub in Südtirol mit meinen Eltern 1989, wo ich das Buch in jeder freien Minute gelesen habe. Vornehmlich im Auto, wenn wir zwischen Pension, Minigolfplatz, Freibad und Wanderwegen pendelten. – Das Auto war mein bevorzugter Leseplatz, weil mein Vater Friedhof der Kuscheltiere auch lesen wollte und seinerseits Ansprüche auf das Buch geltend machte, sofern er nicht gerade hinter dem Steuer saß. An unserer Heyne-Taschenbuchausgabe lassen sich noch heute Spuren dieser Besitzkämpfe erkennen.

Die Heyne-Ausgabe wollte ich damals unbedingt, da sie eine Neuauflage anlässlich der Verfilmung von Mary Lambert war und im Innenteil Bilder aus dem Film enthielt, für dessen Kinobesuch ich natürlich zu jung war. Friedhof der Kuscheltiere bildet damit aber eine Ausnahme in unserer Hausbibliothek. Da meine Eltern Mitglieder im Bertelsmann-Buchclub waren, sind alle anderen King-Bücher, die heute noch bei mir im Regal stehen, Lizenzausgaben des Clubs. Ich mag diese klobigen, gebundenen, in blauen Umschlägen gehaltenen Bertelsmann-Ausgaben sehr, auch wenn sie – wenn man den King-Foren im Internet Glauben schenken darf – verglichen mit den Heyne- oder Bastei-Lübbe-Reihen unter Sammlern nicht den geringsten Wert besitzen. Für mich haben sie einen oft sentimentalen, persönlichen Wert.

Mit den Verfilmungen der King-Romane hatte ich – wie so viele – oft meine Probleme. Friedhof der Kuscheltiere war, nachdem ich ihn mit Verspätung irgendwann sehen konnte, eine Enttäuschung, wenngleich ich ihn aus heutiger Sicht nicht als völlig misslungen betrachten würde. Aber meine Jugendzeit war eben auch jene Zeit, als viele King-Verfilmungen im Privatfernsehen liefen, meist bei Sat.1 oder Pro 7, gekürzt und mit Werbeinseln durchsetzt. Und es waren nicht die gelungensten Adaptionen, die ich so zu sehen bekam: Christine, Kinder des Zorns, Cujo, Feuerkind, Rhea M – all diese Filme waren schnell und vergleichsweise billig produziert, sich allzu sehr auf den Namen King als Werbe-Selbstläufer verlassend. Dass es schon zuvor durchaus gelungene King-Filme gab – Carrie und Dead Zone vor allem – vermochte ich mir erst im Laufe der Zeit und einigen Videothekenbesuchen zu erschließen. Es mag bezeichnend sein, dass meine liebsten King-Bücher und meine liebsten King-Verfilmungen kaum Überschneidungen haben. Wo mich beim Lesen EsThe Shining und Brennen muss Salem Kapitel für Kapitel um den Schlaf brachten, liegen mir bei den Adaptionen die leisen, sensiblen Geschichten näher. In der Liste meiner Lieblingsverfilmungen bleibt von dem Horror-Autor Stephen King nicht mehr viel Horror übrig: The Shawshank Redemption, Dolores und Stand by Me sind jene Adaptionen, die mich am meisten überzeugen. Von den angsteinflößenden und teilweise übernatürlichen Geschichten fand ich dagegen lediglich Dead Zone, Misery und Carrie gelungen.

Stephen King war und ist noch immer sehr produktiv, wenn auch seine kreativsten und besten Zeiten lange hinter ihm liegen. Mich hat er in den letzten zwanzig Jahren auch nicht mehr einfangen können, nicht mehr mit seinen Geschichten ängstigen und packen können. Alles hat wohl seine Zeit. Doch als prägender und präsentester Autor meiner Jugend werde ich ihn immer hochhalten und wert schätzen. Am 21. September feiert er seinen 70. Geburtstag.

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