Feuer an Bord / Eld ombord (Victor Sjöström, 1922)

Feuer an Bord / Eld ombord (Victor Sjöström, 1922)

Nachdem sein Fuhrmann des Todes / Körkarlen große Anerkennung fand, bekam Victor Sjöström das Angebot, nach Amerika zu gehen und dort für Metro-Goldwyn-Mayer Filme zu machen. Der schwedische Stummfilm sah sich selbst zu jener Zeit bereits in einer Krise, trotz des großen Erfolgs von Körkarlen wähnte sich die Produktionsgesellschaft Svensk Filmindustri gegenüber den US-Produktionen im Hintertreffen. Man ließ Sjöström daher gehen – in der Hoffnung, er würde sich viele Anregungen holen und die Kenntnisse des amerikanischen Filmbetriebes aneignen. Und dann nach Schweden zurückkehren. Doch mit dieser Vorstellung lagen die Verantwortlichen bei Svensk Filmindustri falsch: Sjöström blieb sieben Jahre in den USA und kam erst 1930 wieder nach Schweden, als der Tonfilm die Stummfilmära bereits ablöste.

Feuer an Bord / Eld ombord war der letzte schwedische Film, den Sjöström noch vor seinem Hollywood-Gastspiel drehte. Das mangelnde Selbstwertgefühl, das Svensk Filmindustri damals mit sich trug, macht sich in diesem Film deutlich bemerkbar. Im Bemühen, den Film für den internationalen Markt interessant zu machen und auch außerhalb Schwedens ein Publikum zu finden, wurde mit Matheson Lang ein britischer Schauspieler für die Hauptrolle engagiert. Sjöström selbst spielt seinen Gegenpart, den Seemann Dick.

Dick war einst in Ann-Britt verliebt, doch die junge Frau entschied sich gegen ihn und heiratete stattdessen den älteren Jan Steen (Lang). Steen ist Kapitän eines Frachtschiffes, gesellschaftlich angesehen und in der Lage, für Ann-Britt zu sorgen. Zusammen haben die beiden mittlerweile eine kleine Tochter. Dick dagegen ist ein einfacher Seemann, der seit längerem schon keine Arbeit hat und mit seiner alten Mutter bei einer Verwandten untergekommen ist. Nach dem Tod seiner geliebten Mutter spitzt sich die Dreiecksbeziehung auf dem Schiff zu: Jan, der Frau und Kind mit auf Fahrt nimmt, lässt sich in einer Notlage dazu zwingen, Schießpulver zu schmuggeln. Als sich ein Steuermann verletzt, kommt Dick als Ersatz an Bord, ohne zu wissen, wer der Kapitän ist.

Auch die Geschichte orientiert sich eher an amerikanischen Erzählweisen. Sjöström konzentriert sich ganz auf seine Stärke, die psychologischen Motivationen seiner Figuren herauszuarbeiten. Allerdings verzichtet er auf die von ihm zuvor charakteristisch verwendete Einbindung der Natur zur Verbildlichung der inneren Konflikte, die etwa Terje Vigen oder Berg-Ejvind och hans hustru prägten und den schwedischen Stummfilm über die Grenzen des Landes hinaus bekannt machten. Und das, obwohl Eld ombord zu weiten Teilen auf hoher See spielt.

Das macht den Film in manchen Passagen träge und undynamisch. Sjöström lässt sich lange Zeit mit der Entwicklung seiner Figuren und Konflikte, die konventionelle Inszenierung ordnet sich dabei – wie so oft bei ihm – der Moralität der Geschichte unter. Beeindruckend ist jedoch der Höhepunkt, die Explosion des Schiffes und sein Untergang. Wiederholt setzen Sjöström und sein Kameramann Julius Jaenzon zudem auf Mehrfachbelichtungen, wie sie sie schon in Körkarlen angewandt hatten. So erscheint die Mutter im Wirtshaus und legt mahnend ihre Hand auf Dicks Arm, als der sich gerade betrinken will.

Sjöström wollte seinen Film eigentlich auf dem offenen Meer enden lassen, auf dem sich die Überlebenden des Schiffsunglücks auf einem Floß versammeln. Das wollte die Produktionsfirma aber nicht, und so hatte Sjöström Probleme, eine vernünftige Alternative zu finden. Das erzwungene Happy End wirkt daher aufgesetzt und verhindert einen stärkeren letzten Eindruck.

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